Navs Modular Lab:
Wolfgang Seidel, Navs,
Hilary Jeffery

Wolfgang Seidel, Navs und Hilary Jeffery

 

Basic Electricity stalwart, Wolfgang Seidel and Navs will be joined by Hilary Jeffery on trombone for a clangorous electro-acoustic trio.

 

Biografie Wolfgang Seidel

Das Licht der Welt erblickte ich 1949 auf einem West-Berliner Hinterhof. Viel Licht war das nicht, denn es waren die letzen Wochen der Blockade der Stadt durch die Sowjets und Strom gab es nur stundenweise. Eine zehn Jahre ältere Schwester. Die versuchten die Eltern vom Herumhängen mit den "Halbstarken" abzuhalten, indem sie ihr ihren kleinen Bruder aufbürdeten. Das lief aber nicht so, wie gedacht. Die Geschwister schlossen einen Vertrag: der kleine Bruder petzt nicht, dafür darf er überall mit hin, wo er sonst in dem zarten Alter nicht hingekommen wäre. So wurden Hänschen klein und das übrige deutsche Liedgut samt dazugehörigem Heimatgedöns schon früh von Elvis Presley abgelöst. Die erste Hälfte der 60er überlebte ich mit einer Diät aus für ein paar Groschen in vollgestopften, ungeheizten Romantauschläden vom kargen Taschengeld gekauften Science-Fiction-Schmökern. Vom ersten Lehrgeld hatte sich meine Schwester ein Kofferradio gekauft, mit dem wir die Musiksendungen der alliierten Sender AFN und BFBS hörten. Musik die ein Versprechen war, dass da draussen noch mehr und besseres sein muss als das Nachkriegsdeutschland, in dem nicht nur die Mauern grau waren. Das Weltall aus den SF-Heften bot zwar unendliche Weiten, war aber auch unendlich weit. Da war Musik ein irdischeres Vergnügen und eines, was man selber machen konnte. Mit 15 begann ich in einer der damals wie Pilze aus dem Boden schiessenden Beat-Bands Schlagzeug zu spielen. Die mehr von Begeisterung als irgendeinem Anspruch auf Originalität oder gar Professionalität angetriebene Beatwelle war so etwas wie eine in die eigenen Hände genommene Reeducation, die nicht nur den Geist sondern auch den Körper von der Vergangenheit befreite. Zu den beliebtesten Songs gehörte damals „We gotta get out of this place“ der Animals. Ein paar Jahre später sollten dann Ton Steine Scherben aus der Hookline „Wir müssen hier raus“ machen, womit das Lebensgefühl jener Jahre treffend beschrieben ist. Als aus der mit viel Begeisterung aber wenig Anspruch auf Originalität eine sich professionalierende und kommerzialisierende Rock- und Popmusik wurde, verschwanden die Amateurbands und ich begann nach dem Abitur lustlos ein Studium, das alsbald einschlief. Ende der 1960er geriet ich in den Umkreis des vom aus Düsseldorf kommenden Beuys-Schüler Conrad Schnitzler gegründeten Zodiak Free Arts Lab, eine der Wiegen des Musik, die später das Etikett Krautrock bekommen sollte. Am Anfang hieß das noch Free Beat, was eigentlich viel treffender. Dann passierten zwei Dinge gleichzeitig. Ich spielte in Conrad Schnitzlers Gruppe Eruption. Das war der Nachfolger von Kluster, von denen sich Conrad getrennt hatte. Und eigentlich war Eruption keine Band sondern ein offenes Konzept, eine Versuchsanordnung, in der man nach neuen Klängen und neuen Formen der musikalischen Interaktion suchte. Und 1970 gehörte ich zu den Gründern von Ton Steine Scherben, einer der ersten Bands, die  deutschsprachige Texte und Rockmusik verbanden. Die Zusammenarbeit mit Conrad Schnitzler dauerte bis zu dessen Tod 2012, die Scherben waren eine kürzere Affäre, da sich eine Band, die Abend für Abend das gleiche Repertoire spielt als zu enges Konzept erwies, mit dem ich nicht glücklich werden konnte. Um 1980 brachte ich die Erfahrungen aus Rockmusik und der freien Improvisation in Gruppen wie Populäre Mechanik oder in Kooperation mit Alfred Harth zusammen. Nach einer Pause, die ich mehr mit Brotjobs beschäftigt war, bin ich in Berlins Echtzeit-Szene unterwegs als Schlagzeuger und als Synthesizer-Spieler. Nach Platten mit Conrad Schnitzler und Populäre Mechanik erschien 2014 „Five Eyes“ mit Alfred Harth. Und auch wenn Rockmusik eher eine Episode blieb, die Neuauflage der LP, die ich Anfang der 1970er mit den Scherben aufgenommen hatte, brachte es mit 45-jähriger Verspätung auf Platz 29 der Albumcharts…

Abendprogramm

In Saal 2 ist ab 19 Uhr zu jeder vollen Stunde ein halbstündiges Konzert vor stehendem Publikum, einfache Installationen, live gespielte und komplex arrangierte Anwendungen von unseren zum teil prominenten und erfahrenen Kunden und Künstlern verschiedener Couleur werden hier erwartet.

In Saal 2 beginnen um 20:30 und um 21:30 Panels und Diskussionen zu verschiedenen Themen. Geladene Gäste sind gehalten, ein Instrument zu spielen bevor sie es erklären und sich dazu äussern, die Auftritte und Darbietungen werden moderiert.

Zurück